Das Orchester

Das Zupforchester Luzern (ZOL) wurde im Jahr 1900 gegründet und behauptet seit mehr als einem Jahrhundert seinen Platz im reichen musikalischen Programm der Stadt Luzern. Neben Gitarren sind im Orchester Mandolinen und Mandolen, die tiefer klingenden Varianten aus dieser Instrumentenfamilie, vertreten.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts musizierten in Oberitalien zahlreiche Quartette in der Besetzung mit Erster und Zweiter Mandoline, Mandola, und Gitarre und bereisten von hier aus halb Europa. Grössere Besetzungen, die der romantischen Klangvorstellung, insbesondere mit der Spieltechnik des Tremolos, besser gerecht wurden, erfreuten sich in den Dekaden um die Wende zum 20. Jahrhundert in der Schweiz einer grossen Beliebtheit. Nach dem italienischen Vorbild wurden in rascher Folge Gruppos oder Orchester mit klangvollen italienischen Namen gegründet. So entstand auch in Luzern der Mandolinistenclub Margherita, der 1928 zu Mandolinen-Orchester der Stadt Luzern (MOL) umbenannt wurde.

 

Gehörte in den Anfangsjahren der Margherita zum Musizieren immer auch ein kurzes Theaterstück oder eine Komödie, die von den Mitgliedern des Vereines selbst aufgeführt wurden, so zählten die Jahreskonzerte im grossen Saal des Hotels Union und die Sommerkonzerte auf der Terrasse des Château Gütsch bald zu den Höhepunkten des kulturellen Lebens in Luzern. Nach dem Zweiten Weltkrieg  beschäftigten sich die Musiker der Zupforchester intensiv mit der historischen Entwicklung der Mandoline und erweiterten ihr Repertoire mit Originalkompositonen des 18. bis 19. Jahrhunderts u.a. von Vivaldi, Händel, Scarlatti, Mozart, Beethoven und Hummel.

Ebenfalls wurden Kompositionen des 20. Jahrhunderts für Zupforchester rege und interessiert von den Musikern des MOL aufgenommen und den Bearbeitungen von Streichmusik vorgezogen. Dem veränderten Repertoire und Selbstverständnis zollte das Orchester 1986 mit der Umbenennung in Zupforchester Luzern (ZOL) Rechnung.

 

Inzwischen hatte das Orchester ein beachtliches technisches und künstlerisches Niveau erreicht, das durch Teilnahmen an verschiedenen in- und ausländischen Wettspielen unter Beweis gestellt wurde. Eine rege Konzertreisetätigkeit führte in den letzten Jahrzehnten nach Berlin, Mannheim, Paris, Bonn, Kopenhagen, Baden-Baden, Budapest, London, Prag, Genf und Wien. In jüngster Zeit hat sich das Zupforchester den allzu engen Vorgaben der historisch orientierten Aufführungspraxis teilweise entzogen. Zahlreiche zeitgenössische Zupfmusik-Kompositionen konnten zur (Ur-)Aufführung gebracht werden, und auch an experimentelle Musik hat sich das Orchester gewagt. Neben der nach wie vor gepflegten Originalliteratur wurden auch wieder Stücke aus der Unterhaltungsmusik sowie Folklorelieder aus verschiedenen Ländern ins Programm genommen. In der Zusammenarbeit mit Chören, bei der musikalischen Umrahmung von Gottesdiensten, an privaten oder öffentlichen Festen – etwa am Luzerner Tag zur Einweihung des KKL 1998 – und bei gemeinsamen Auftritten mit anderen Musikformationen konnte sich das Zupforchester Luzern ein breites Wirkungsfeld erarbeiten.